Covid-19 Maßnahmen in Indien

Dr. Bronner’s & Pavitramenthe leisten Hilfe für indische Dörfer

Unser Partnerunternehmen Pavitramenthe liegt in der indischen Provinz Uttar Pradesh und beliefert uns mit regenerativem, biologisch zertifiziertem Minzöl für unsere Produkte. Rob Hardy (Organic Agricultural Development Manager bei Dr. Bronner’s) hat mit Nihal Singh (Geschäftsführer von Pavitramenthe) darüber gesprochen, wie sich das Coronavirus auf die dortige Gemeinde auswirkt und welche Bemühungen Pavitramenthe und Dr. Bronner‘s unternommen haben, um den Bedürftigen zu helfen.

Welche Auswirkungen hat die Coronavirus-Pandemie in eurer Gemeinde?

Die indische Regierung ordnete am 24. März 2020 sehr kurzfristig einen landesweiten Lockdown an, der bis Ende Mai andauerte. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und öffentliche Verkehrsmittel wurden eingestellt. Restaurants sind geschlossen, aber einige Lebensmittelgeschäfte haben von sieben bis elf Uhr morgens geöffnet. Die größten sichtbaren Auswirkungen des Lockdowns sind in unserer nächstgelegenen Großstadt Bareilly zu sehen. Dort gibt es nur noch sehr wenig Verkehr auf den normalerweise überfüllten Straßen, die Luft ist frisch und klar, und der Fluss ist sauber – so habe ich unsere Umwelt noch nie gesehen.

Bauarbeiten wurde gestoppt, wodurch viele Arbeiter ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Regierung stellt eine gewisse Nahrungsmittelhilfe bereit und subventionierte die Miete, damit niemand seine Wohnung verliert. Die wirksamste Hilfsarbeit wird jedoch von NGOs geleistet, die sich auf die Unterstützung der Armen und der Menschen konzentrieren, die ihr Einkommen verloren haben.

Was war die größte Herausforderung für Bauern und Arbeiter?

Unsere Bauern konnten auf den Feldern arbeiten, allerding durften anfangs nur zwei Personen gleichzeitig arbeiten. Dann wurde diese Begrenzung auf fünf erhöht, um dem Bedarf an Erntearbeitern gerecht zu werden. Seit Beginn des Lockdowns standen die Field Officers von Pavitramenthe und ich in regelmäßigem Kontakt mit den Bauern. So haben wir erfahren, dass die Bauern und Ladenbesitzer Zugang zu Lebensmitteln und Bargeld haben und in der Lage sind, ihr Leben zu bestreiten. Diejenigen, die in den Dörfern am schlimmsten betroffen sind, sind Tagelöhner ohne eigene Felder.  Aufgrund der Einschränkungen können viele nicht arbeiten, und haben daher oft keinen Zugang zu Bargeld oder Lebensmitteln.

Welche Art von Hilfe leistet ihr?

Wir erkannten sehr schnell, dass diese Menschen dringend Hilfe brauchten und erstellten eine Liste von 4.000 bedürftigen Arbeitern. Dann begannen wir mit der Planung einer einfachen, aber effektiven Verteilung von Lebensmitteln, Gewürzen, Seifen und Schulmaterial an die Tagelöhner und ihre Familien. Zusätzlich haben wir mehr als 100.000 Mundschutzmasken verteilt, wovon wir rund die Hälfte von Frauen aus den Dörfern erworben haben, denen wir in den letzten Jahren Nähmaschinen und -kursen zur Verfügung gestellt hatten. Bislang wurden schon ca. 20.000 Masken genäht, die wir an die Dorfbewohner verteilen konnten. Pavitramenthe-Mitarbeiter packten die Hilfspakete und fuhren mit drei Lastwagen von Dorf zu Dorf, um sie gemeinsam mit den Bauern an die Bedürftigen zu verteilen und gleichzeitig Aufklärungsschulungen zu Covid-19 durchzuführen. Insgesamt versorgen wir mit den Hilfspaketen etwa 25.000 Personen, denn jede Familie besteht durchschnittlich aus sechs Personen.

Der Schwerpunkt unseres Programms verlagert sich jetzt darauf, die Bauern in ihren Verhandlungen mit Händlern und der Regierung zu unterstützen. Es herrscht große Verwirrung über die staatlichen Mindestpreise für Nutzpflanzen, die Zahlungen sind langsam und die Händler nutzen die Schließung der öffentlichen Märkte und den begrenzten Wettbewerb aus, um die Preise zu drücken. Leider kommt es auch vor, dass Regierungsbeamte sich selbst auf Kosten der Bauern begünstigen.

Zusätzlich unterstützen wir auch „Heimgartenprojekte“ für insgesamt 1.000 Bauern, um sie dabei zu unterstützen, ihre Nahrungsmittel selbst anzubauen. Dafür haben wir große Mengen an Gemüsesamen gekauft und bereits erste Päckchen an 50 Bauernfamilien verteilt.

Woher kommen die Mittel für diese Hilfsaktionen?

Das Startkapital (50.000 Dollar) für die erste Notfalllieferung wurde großzügigerweise von Dr. Bronner’s zur Verfügung gestellt und durch den Fair-Trade-Fonds von Pavitramenthe aufgestockt. Dr. Bronner‘s und Pavitramenthe beantragten dann gemeinsam einen Zuschuss von der deutschen Entwicklungsorganisation GIZ und erhielten eine Zusage. Für insgesamt knapp 100.000 US-Dollar haben wir mittlerweile drei Verteilungen von Hilfspaketen durchgeführt und damit etwa 25.000 Menschen sechs Wochen lang mit Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern versorgt.

Wie fügen sich diese Hilfsmaßnahmen deiner Meinung nach in die Geschäftstätigkeit von Pavitramenthe und Dr. Bronner‘s ein?

Dieses Hilfsprogramm passt sehr gut zu unseren Bemühungen, langfristige Beziehungen mit Bauern aufzubauen und die umliegenden Gemeinden durch faire Handelspraktiken zu unterstützen. Covid-19 erinnert uns eindringlich daran, dass wir „All-One!“ sind. Für mich veranschaulicht die Pandemie sehr gut, dass wir nicht gegen die Natur arbeiten können, sondern uns auf sie einstellen und mit ihr arbeiten müssen. Unsere Gesundheit und unser Lebensunterhalt hängen also von der Natur ab – durch die Arbeit mit regenerativen, biologischen und fairen Handelsprinzipien und -methoden sind wir in der Lage, dies zu tun.